Kautschuk & Kolonialismus

Eine grausame Geschichte über das Wunder-Material aus der Natur.
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Natur-Kautschuk war die Basis für historische Fahrrad-Vollgummireifen. Belege für die Verwendung von Kautschuk wurden bereits in der Olmeken-Zivilisation in Mesoamerika gefunden, die zwischen 1400 und 400 v. Chr. blühte. Die Olmeken verwendeten Kautschuk zur Herstellung von Bällen für ein, dem Basketball ähnliches, Spiel sowie zur Herstellung von wasserdichten Dichtungen.


Die erste groß angelegte Kautschukproduktion entwickelte sich in Brasilien in den frühen 1800er Jahren. Im Amazonas-Regenwald wuchs ein Kautschuk-Baum namens Hevea brasiliensis, der einen Latexsaft produzierte, der zu Gummi verarbeitet werden konnte. Die Briten und Amerikaner erkannten schnell das Potenzial dieses neuen Materials und begannen, in die brasilianische Gummiindustrie zu investieren. Das brasilianische Kautschukmonopol war jedoch nicht von langer Dauer.


1876 schmuggelte ein Engländer namens Henry Wickham 70.000 Kautschuksamen aus Brasilien und brachte sie nach Kew Gardens in London. Von dort aus wurden sie an die britischen Kolonien in Asien, Afrika und Amerika verteilt. Von nun an, konnte praktisch die gesamte Welt über Kautschuk-Plantagen verfügen. Zum An- und Raubbau wurden hierfür ganz überwiegend die Kolonien der Länder des globalen Südens ausgewählt.

Die Briten und Amerikaner waren nicht die einzigen, die sich für Kautschuk interessierten. Auch die Franzosen, Niederländer und Deutschen legten in ihren Kolonien Kautschukplantagen an. Der wichtigste Produzent von Kautschuk war zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch die britische Kolonie Malaya (heute Malaysia). 


Der Kautschukboom führte zu einer Phase intensiver Kolonisierung in den Kautschuk produzierenden Regionen der Welt. Die Briten, Franzosen, Niederländer und Amerikaner konkurrierten darum, immer größere Anteile am Kautschukmarkt zu erobern. Dieser Wettbewerb führte zu einer Reihe von Kriegen und zur massiven Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung, die zur Arbeit auf den Plantagen gezwungen wurde. Die versklavten Einheimischen wurden von ihren Kolonialherren nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern auch regelmäßig verletzt, gefoltert, misshandelt und getötet und gilt als eine der blutigsten und grausamsten Phase der gesamten Kolonialisierung.


Der Kautschukboom ging Anfang des 20. Jahrhunderts zu Ende, als synthetischer Kautschuk erfunden wurde. Dieses neue Material war billiger und haltbarer als Naturkautschuk und verdrängte ihn schnell in den meisten Anwendungen. 

Heute wird Naturkautschuk noch in vielen Teilen der Welt, insbesondere in Südost-Asien, hergestellt, aber er ist nicht mehr die dominierende Kraft, die er einmal war.

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